Eigenschaften der Schafwolle
Die Schafwolle hat viele positive Eigenschaften. Sie ist atmungsaktiv und kann Feuchtigkeit bis zu einem Drittel ihres Eigengewichtes aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen. Die schnelle Verdunstung von Wasser an der Faseroberfläche gewährleistet eine hohe Isolierfähigkeit der Wolle. Das heißt, dass auch nasse Kleidungsstücke aus Schafwolle im Inneren lange trocken bleiben, da die natürliche Fettschicht Lanolin das Wasser an der Oberfläche der Wollfaser abrinnen lässt. Dadurch wird auch ein Verschmutzen von Kleidungsstücken auf längere Zeit verhindert. Wolle ist auch schwer entflammbar. Sie ist daher als Dämmstoff gut geeignet. Ein weiterer Vorteil bei der Verwendung von Schafwolle ergibt sich aus ihrer Umweltfreundlichkeit. Wolle ist ein immer nachwachsender; stets vorhandener Rohstoff, der jedoch häufig nur als Abfallprodukt bei der Schafhaltung anfällt. Daher ist Wolle leicht zu erwerben und kann für das Herstellen von gesunden Heimtextilien sinnvoll genutzt werden. Entsorgungsprobleme entfallen, und die Umwelt wird geschont.

Wolle bleibt unersetzlich
Das Schaf lebt heute dank seines Wollkleides unter den unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen, auf den Bergen der Alpen, an der windigen Nordseeküste, aber auch auf heißen, dürren Weiden in Südeuropa, Afrika und Australien. Eine Milliarde Schafe gibt es auf der Welt, die pro Jahr etwa 3 Milliarden Kilogramm Schweißwolle liefern. Dieser Durchschnittswert errechnet sich aus Schurgewichten zwischen 1 kg und zum Teil weit über 6 kg pro Schaf.
Die Gewinnung und Verarbeitung von Wolle ist teurer als die von künstlichen Fasern. Trotzdem hat die Wolle beim Verbraucher ihren Platz, weil sie durch nichts Gleichwertiges ersetzt werden kann. Wolle besteht aus Aminosäuren, die synthetisch schwer herzustellen sind. Chemiker sind heute überzeugt, dass auch in Zukunft keine synthetische Faser hergestellt werden kann, die alle die guten Eigenschaften der natürlich gewachsenen Wolle besitzt.
Es lohnt sich deshalb, einmal nach einem etwas ungewöhnlichen Schema Betrachtungen über diese tierische Faser anzustellen.

Die vier Elemente, Wasser, Feuer, Erde und Luft, nahm der Schwede Alan Waller in einem Aufsatz über die Wolle und ihre Eigenschaften als Ausgangspunkt und Grundlage und stellt folgendes fest:

Wasser und Wolle
Die besondere Beschaffenheit der Wolle zeigt sich zuallererst in ihrem Verhalten zum Wasser. Wer weiß, dass eine herrlich warme Wolldecke mit dem Gewicht von 1 kg ungefähr 170 g Wasser enthält? Wolle unterhält einen stetigen Feuchtigkeitsaustausch mit der sie umgebenden Luft. In trockener Luft bei 110 0C wiegt die gleiche Decke nur noch 830 g. Bei feuchter Luft kann sie dagegen noch weitere 200 g Wasser aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen. Im Vergleich dazu kann 1 kg Baumwolle etwa 70 g Feuchtigkeit aufnehmen, bevor sie nass wirkt, während die meisten synthetischen Fasern nicht einmal einen Esslöffel Wasser bewältigen. Außerdem gibt die Wolldecke beim »Schlucken« von Feuchtigkeit noch so viel Wärme ab, dass sie damit über 1 kg Eis schmelzen kann. Diese Eigenschaft ist mit ein Grund, weshalb Wollkleidung bei wechselhaftem Wetter so gut wärmt, was zum Beispiel Seemannsfrauen schon immer wussten.
Das Wollfett, Lanolin, ist das spezielle Schutzmittel der Natur für Haut und Haar. Leider wird es in der industriellen Garnherstellung ganz entfernt, wird aber für Kosmetika und Arzneimittel weiterverwendet.
Wer Rohwolle zum Verspinnen zu Hause hat, kann damit vor einer Feld- oder Gartenarbeit die Hände einreiben, und das traditionelle Rostschutzmittel für Webkämme ist ein fettiger Wollbausch.
Auch den Schafen nützt das Fett. Durch bestimmte Schweißsalze, die an den wachsenden Wollfasern haften, bildet sich eine Lauge, wenn das Regenwasser in die Wolle eindringt. Die Lauge verschmilzt mit dem Fett und bildet so eine natürliche Seife, die das Schaf sauber wäscht.
Die Wolle zeigt noch ein besonderes Verhalten gegenüber Wasser. Die äußeren Schuppen in der Hornschicht der Faser sträuben sich bei heißer oder stark wechselnder Wassertemperatur und tragen dazu bei, dass die Wolle filzt. Die zusammengedrängten Fasern werden dadurch daran gehindert, wieder auseinander zugleiten. Deshalb braucht die Wolle eine gesonderte Behandlung bei der Wäsche, um nicht zu verfilzen, soweit die Außenschuppen nicht chemisch »unschädlich« gemacht wurden.
Wir nützen diese normalerweise unliebsame Eigenschaft der Wolle beim Filzen und Walken aus; eine Kunst, luftige Wolle in winddichten Loden zu verwandeln, der im Wald bei Förstern und Jägern als »leise« Oberbekleidung schon lange bekannt ist.

Feuer und Wolle
Unbehandelte Kunstfasern sind sehr feuergefährlich. Bei einem Brand verwandeln sie sich schnell in eine rinnende, brennende Masse, die festklebt und giftige Gase erzeugt. Auch Textilien aus Baumwolle und Leinen, trocken und aus feinverteiltem Pflanzenmaterial in Verbindung mit Luft bestehend, können feuergefährlich sein.
Wolle dagegen ist schwer entflammbar und Feuer erlischt in ihr oft von selbst; sogar die dabei entstehenden verkohlten Teile schützen vor Feuer. Deshalb werden auch für die Anzüge der Feuerwehrleute Wolltuche verwendet und für Ölarbeiter wird wollene Unterwäsche empfohlen, und in öffentlichen Gebäuden, in Zügen und Flugzeugen sieht man immer mehr Wolltextilien (Sitzbezüge und Bodenbeläge).
Eine Wolldecke eignet sich sehr gut dazu, Flammen zu ersticken.

Erde und Wolle
»Wool rtins on grass« sagen die Australier - die Wolle geht im Gras. Im Gegensatz zu Kunstfasern, die aus Öl hergestellt werden, kann man sagen, dass die Wollfaser durch Erde, Wasser und Sonne entsteht. Und im Unterschied zu angebauten Fasern wie Baumwolle und Leinen, die gute, gedüngte Erde brauchen, kommt fast alle Wolle aus Gebieten, in denen man sowieso keine Kulturpflanzen anbauen kann.
Erde an der falschen Stelle dagegen bezeichnen wir als Schmutz und wenn es um Schmutz geht, nimmt die Wolle eine Sonderstellung ein. Die Wollfaser nimmt ganz einfach wenig Schmutz an und muss deshalb nicht so oft gewaschen werden. In vielen Fällen genügt es, das wollene Kleidungsstück gut zu lüften.

Luft und Wolle
Ein Wald ist nicht nur schön seiner Bäume wegen, sondern auch, weil es Raum zwischen den Bäumen gibt. So ist es auch, wenn wir mit textilem Material arbeiten. Während wir meinen, nur mit dem Garn selbst zu arbeiten, verteilen wir gleichzeitig Zwischenräume zwischen Fäden und Fasern.
Es ist die Luft in unseren Kleidungsstücken, die die Körperwärme vor äußeren Einflüssen schützt: Je mehr Luft, um so besser der Schutz.
Viele Textilfasern, zum Beispiel bei Leinen, Seide, Rayon und synthetischem Material sind ganz gerade angeordnet und ein Querschnitt durch ein solches Garn sieht aus wie ein Holzstapel an einem Waldweg: Eng, parallel und mit wenig Zwischenraum.
Eine Wollfaser ist dagegen von Natur aus wellig. Sie hat bis zu fünf S-Bögen pro Zentimeter. Auf dem Schaf wachsen die Wollfasern sehr dicht aneinander und folgen einander in Kurven; sie würden sonst gar nicht alle auf dem Schaf Platz finden.
Die Wolle hat noch ein weiteres Verhalten zur Luft, das etwas schwerer zu erkennen ist, besonders, wenn es um die Luft in unseren Wohnungen und Büros geht.
Jeder, der schon einmal im Haus sauber gemacht hat, weiß, dass alles Material um uns herum ständig mikroskopisch feine Teilchen abgibt, wir nennen es Staub. Auch glatte Metall- oder Plastikflächen tun das. Diese Teilchen laden sich elektrisch auf durch Fernsehapparate oder Bildschirme aber auch auf natürliche Weise. Diese Ionen von Metallen, Plastik oder Kunstfasern, aber auch Flächen, die mit synthetischen Lacken behandelt wurden, sind fast immer positiv geladen. Da wir selbst meistens schwach negativ geladen sind, ziehen wir solchen Staub an und er »klebt« auf der Haut fest. Das kann Allergien, unerklärliche Müdigkeit, Unlust und Kopfweh zur Folge haben. Naturmaterialien dagegen erzeugen negative Ionen, die von unserer Haut durch die eigene negative Ladung abgestoßen werden und uns somit in keiner Weise belästigen; ja die positiven Ionen werden sogar gebunden und neutralisiert.


Nach einem Aufsatz von Alan Waller